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06.05.2019 18:25 Alter: 106 days

Exkursion zum Betrieb Metzler Molke


Wir, die Praxisgruppe A der HLA 3 durften am Mittwoch den 3.4.2019 den Betrieb Metzler Molke im Zuge unseres Tierzuchts-Unterrichtes besuchen.

Der Betrieb Metzler Molke liegt in Egg (Bregenzerwald) und stellt Molke Produkte, Käse und Wurst her. Derzeit beschäftigt Metzler Molke 37 Mitarbeiter, welche sich um die Tiere und Produktion kümmern. Der Betrieb gehört zur Bregenzerwälder Käsestraße dazu. Die Käsestraße ist eine Gemeinschaft im Bregenzerwald, die den Weg des Käses von der Heugabel bis zum Teller aufzeichnen will. Ebenfalls sollen so die 80 verschiedenen Käsesorten des Bregenzerwaldes „leichter“ vermarktet werden.

Bereits die Eltern von Ingo Metzler betrieben eine Landwirtschaft. Sie begannen mit 7 Milchkühe, diese genügten jedoch nicht und deshalb fingen sie mit der Ferkelproduktion an. Als Ingo Metzler zu seinem 10. Geburtstag eine tragende Ziege bekam, hatten sie nach der Geburt schon drei Ziegen im Stall stehen. Ihre Ziegenherde vergrößerte sich schnell und damit auch die Milchmenge. Ingos Mutter verarbeitete die Ziegenmilch zu Käse. Dieser wurde auch im damaligen Dorfladen verkauft. Ende der 80er wurde dann die erste Hofsennerei gebaut, da die eigene Küche einfach zu klein wurde. Zu dieser Zeit begannen die ersten Versuche mit Molke. 2001 wurde dann ein Gebäude für die Verarbeitung der Molke und der Verwaltung errichtet. 2011 musste eine neue Sennerei gebaut werden, weil die alte Sennerei zu geringe Kapazitäten für die steigende Nachfrage hatte. 2017 wurde der gesamte Betrieb um den Stall erweitert.

Metzler Molke besitzt 30 ha Grünland und bewirtschaftet diese mit 16 Milchkühen (original Braunvieh) und 100 Milchziegen (bunte Edelziege, Gemsfarbene Gebirgsziege, Burenziege, Sahne Ziege und Toggenburger Ziege). Aus der Milch wird hauptsächlich Frisch- und Weichkäse hergestellt. Der Frischkäse hat überhaupt keine Lagerzeit und der Weichkäse eine von 2-3 Wochen. Aus einem Liter Milch kann man jedoch nur 100 Gramm Käse herstellen. Das bedeutet es fallen 900 Gramm Molke an. Da Molke viele hochwertige Stoffe enthält, ist es schade, diese nicht zu nutzen. Deshalb verarbeitet Metzler Molke die Molke hauptsächlich in Kosmetik-/Körperpflegeprodukte aber auch in Nahrungsmittel. Die über 400 verschiedenen Produkte werden hauptsächlich im deutschsprachigen Raum verkauft. Der Verkauf erfolgt entweder per Direktvermarktung oder per Bestellung und Lieferung. Jedoch gibt es auch Partnerbetriebe bzw. die Nachfrage in Ländern wie Italien, Frankreich, Schweden und Finnland. Dazu werden extra Etiketten in der jeweiligen Sprache produziert.

Da die Konsumenten erwarten, dass die Produkte innerhalb weniger Tage geliefert werden, müssen alle Produkte vorrätig sein. Deshalb hat Metzler Molke ein 13 Meter hohes Hochregal aus Holz. Sie entschieden sich für Holz und nicht für Stahl, weil dieses Regional verfügbar, biologisch und nachwachsend ist. Holz ist jedoch doppelt so teuer wie Stahl. Das Hochregal wurde von einer Tischlerei aus Riefensberg hergestellt und hat 1100 Palettenplätze. Die Produktion gibt den Auftrag an die Maschine im Hochregallager und diese sucht alle benötigten Inhaltsstoffe zusammen.

Da für die Herstellung sehr viel Wärmeenergie benötigt wird, baute Metzler Molke einen Schotterspeicher. Der Schotterspeicher wird im Boden vergraben und durch den Schotter wurden mehrere tausend Meter Kupferkabeln verlegt. Im Sommer wird dieser Schotterspeicher (bzw. die Isolierung, die Kupferkabel und die Decke) mit der Wärme der Sonne aufgeladen. Dort wird Die Wärmeenergie, welche im Sommer nicht benötigt wird, in den Schotterspeicher geleitet. Wenn im Winter zu wenig Wärmeenergie vorhanden ist, wird die benötigte Energie aus dem Schotterspeicher bezogen. Der benötigte Strom wird das ganze Jahr aus Sonnenenergie mit Hilfe einer Photovoltaikanlage gewonnen. Da beide Methoden sehr gut funktionierten, wurde auch der Stall und das Wohnhaus angeschlossen.

Eine Gesichtscreme besteht z.B. aus über 30 verschiedene Zutaten. Deshalb verfügt Metzler Molke über eine Maschine, die alle Zutaten zusammensucht und dann in der Richtigen Reihenfolge inklusive Mengenangabe zur Verfügung stellt. Die Maschine startet ein neues Rezept nur, wenn alle Zutaten in ausreichender Menge vorhanden sind. Wenn eine Zutat eine Mindestgrenze erreicht, bestellt die Maschine automatisch diese Zutat beim Lieferanten nach.

In der Produktion können bis zu 10 verschiedene Produkte pro Tag produziert werden. Die Herstellung und auch die Verpackung bzw. Abfüllung kann automatisch oder halbautomatisch erfolgen.

In der Sennerei werden am Tag bis zu 2500 Liter Milch in 230 verschiedene Käsesorten verarbeitet. Für den Käse erhielt der Betrieb schon viele verschiedene Auszeichnungen.

Im Ziegenstall gibt es fünf verschiedene Arten von Ziegen. Einmal im Jahr gibt es pro Ziege einen Wurf. Die männlichen Kitzen werden gemästet und im Alter von 3 bis 4 Monaten geschlachtet. Die weiblichen Kitzen werden aufgezogen und werden nach einem Jahr bereits das erste Mal befruchtet. Im Stall daneben leben 16 Kühe der Rasse Braunvieh.

Da der Stall nicht mehr vergrößert wird, aber die Produktion schon, werden Lieferanten von Ziegenmilch benötigt. Wenn die Ziegenmilch hochwertig ist, zahlt der Betrieb bis zu einem Euro. In der eigenen Melkanlage können die Kühe und Ziegen gleichzeitig gemolken werden. In ca. einer Stunde sind alle 100 Ziegen und 16 Kühe gemolken. Der Stalldurchschnitt bei den Ziegen liegt bei ca. 1000 Liter Milch pro Ziege pro Jahr.

Nach der Führung bekamen wir noch eine Verköstigung der verschiedenen Käsesorten und zwei verschiedene Molke Getränke. Der Ausflug war für uns alle sehr lehrreich, da es ein etwas anderer Produktionszweig ist.